Berge!

Berge! Oder zumindest etwas Bergähnliches erhebt sich langsam am Horizont. Zwar liegt Reitz auf fast 1800 Meter über Null, aber von ein paar kleineren Hügeln ist von Berglandschaft hier wenig zu sehen. Als Bayer ist das natürlich ein Zustand der so schnell wie möglich geändert werden musste. Am Samstag sind wir mit dem Pfarrer/Gastvater nach Clarens gefahren, weil besagter dort geschäftlich etwas zu erledigen hatte. Sascha und ich wollten uns nicht die Gelegenheit entgehen lassen, mal für einen Tag aus unserem Dörfchen rauszukommen – und trotz 50.000 Einwohnern ist Reitz ein Dorf, mit zwei Supermärkten, Dorfjugend am Stadtplatz und vermodertem Krimskramsladen. Clarens wird in unseren Reiseführern als eine der wenigen Attraktionen in Free State bezeichnet und beheimatet eine große Anzahl Künstler. Die Fahrt dorthin in unserem treuen Toyota geht wie nach Bethlehem erst einmal durch die große Weite, wie größte Attraktion für lange Zeit ist ein Kreuz auf einem Hügel. Aber nach 1 ½ Stunden fängt das Land an sich zu wellen, in weiter Ferne zeichnen sich irgendwelche hohen Schemen ab und plötzlich fängt unser Auto an, sich die Steigung hoch zu quälen.

Kurz darauf waren wir auch schon in Clarens, dass anscheinend an den Ausläufern der Drakensberge liegt – hätte man uns ja sagen können. Die Stadt wirkt auf den ersten Blick etwas wie eine Touristenfalle, aber irgendwie fehlen die ganzen Touristen. Bei der zugegeben etwas kurzen Runde um den Stadtpark sehen wir fünf Motorradfahrer und zwei Familien, dem Rest der Südafrika-Reisenden scheint es wohl zu weit vom Schuss zu liegen. Am Schluss betreten wir noch eine Bäckerei, in der Hoffnung mal wieder etwas zu beißen, dass den Namen Brot auch verdient hat. Zwar wird auch hier nur das übliche labberige Weißbrot verkauft, aber auch Croissant und Apfelkuchen. Die Rückfahrt wird auf jeden Fall angenehmer. Die nette Verkäuferin gibt uns auch den Tipp, in den nahegelegenen Golden Gate National Park zu fahren. Dieser ist, wie so in etwa alles in Free State, eher unbekannt, aber das ist ja nicht zwingend schlecht.

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Nach etwas Überredungsarbeit fährt uns der Pfarrer kurzerhand zum Gleen Reen Camp, dem Basislager für lokale Unternehmungen. Endlich kommen auch mal meine Wanderschuhe zum Einsatz, denn einen Großteil des Parks kann man nur per Pedes erkunden. Also geht es kurzerhand den Mushroom Rock Trail entlang, unter dem Abhang besagten pilzförmigen, rot-gelb-gestreiftem Felsen vorbei und bergabwärts zum kleinen Bächlein. Blöderweise endete die Route nach einer knappen Stunde wieder an der Hauptstraße, nur leider ein gutes Stück abseits des Trailheads… Also schön auf Asphalt zurück gelaufen, brav wie man es gelernt hat auf der linken Seite, um entgegenkommende Autos früh zu erken… whumm.. scheiße, ist ja Linksverkehr hier.  Langsam wurde es Mittag und die Sonne kam in das Tal. So kalt es hier auch in der Früh ist (vor der Abfahrt durften wir mal wieder Eis kratzen, hat denn den Afrikanern niemand gesagt das Afrika warm ist?), sobald die Sonne rauskommt klettern die Temperaturen wieder in den 20°-Bereich – so ist Winter doch toll. Um aus der Mittagshitze rauszukommen nehmen wir als zweites den Weg Richtung Echo Ravine, einer tollen Gesteinsformation die anscheinend in Deutsch „Tobel“ gerufen wird. Stellt euch einfach einen Canyon vor, nur dass er oben fast wieder geschlossen ist. Entsprechend kühl war es auch darinnen und viele Besucher scheint es dort auch nicht hin zu verschlagen, der Weg war nur noch schwer zu erkennen. Irgendwann war dann Schluss, die Klamm wurde immer enger und matschiger und wir mussten umdrehen.

Als wir wieder am Camp waren stand erst einmal Mittagspause an. Typisch afrikanisch gibt’s natürlich Fleisch. Wir stellen uns zu einem der vielen Grillplätze und versuchen unser „Braai“ (sagt hier niemals Barbecue zum Grillen…) zu starten. Nach gut einer Stunde brennt doch dann tatsächlich das Feuer und wir legen unsere Steaks auf den Grill und genießen dass erstaunlich günstige Fleisch (2 mal 500g Rumpsteak für unter 8€). Dazu sollte es Mais aus der Dose geben, der sich jedoch leider als eine komische Brei-Pampe mit Maisgeschmack herausstellt. Merke: Immer genau das Etikett lesen.

Satt gegessen stand dann der letzte Trip des Tages an, diesmal sollte es auch auf einen Gipfel gehen. Waren die ersten beiden Wege noch ziemlich einfach und eben wird es diesmal etwas steiler ausfallen. Nach einer Stunde trafen wir dann kurz vor Schluss auf eine kleine Kletterpartie, wo es grob zehn Meter die Wand raufging. Zwar gab es daneben ein Seil zur Sicherung, aber wenn man so etwas noch nie gemacht hat kann der Anblick einer solchen Barrikade sicher erschreckend sein. Und dass es hinter uns gut und gerne 200 Meter senkrecht unter ging hat es wohl auch nicht besser gemacht. Oben wurden wir dann aber von einem tollen Rundumblick über den Park und die umliegende Landschaft belohnt. Leider war unser Weg dort schon zu Ende, die 4-Stunden-Wanderung oder den 2-Tage-Rundtrip wollten wir dann doch noch nicht in Angriff nehmen. Also ging es wieder denselben Weg runter zum Camp, wo auch schon der Vater auf uns wartete.

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Der Nationalpark besteht im Grunde aus einer langen Asphaltstraße, die sich durch ein langes Tal schlängelt. Neben dem Gleen Reen Rest Camp als Übernachtungsmöglichkeit und Trailhead gibt es noch zwei Loops, Rundfahrten, auf denen man vermehrt auf Wildtiere treffen soll, namentlich die Springbock- und Zebraloop. Bezeichnenderweise haben wir auf keiner der beiden Wege die namengebenden Tiere gesehen, dafür aber zwei Gnus und Coyoten. Kaum waren wir wieder auf der Hauptstraße hat es von Böcken und Antilopen nur so gewimmelt und irgendwann war auch eine Herde Zebras direkt vor unserer Nase. Dafür, dass der Park eigentlich nicht für seine Fauna bekannt ist, war das doch eine schöne Überraschung.

Die Fahrt zurück nach Reitz war dann trotz Apfelkuchen recht eintönig, „Ich sehe was, was du nicht siehst“ in einer gelb-gold-ockerfarbenen Landschaft zu spielen ist jetzt auch nicht das Wahre. Zwischendurch mussten wir etwas bangen, ob unser altersschwacher Toyota noch die Steigung hochkommt, aber irgendwie sind wir doch erschöpft im Kloster angekommen. Irgendwann auf der Fahrt stelle ich fest, dass meine Sonnenbrille fehlt. Die muss wohl beim Coyote-hinterher-jagen runter gefallen sein – ob ich je einen Urlaub hinter mich bringe ohne meine Brille zu verlieren. Das war es soweit vom Ausflug in die Berge, irgendwann nächste Woche gibt es dann etwas vom alltäglichen Leben im Kloster zu lesen.

1 Comment

  1. Karolina
    Monday, 17, June, 2013

    Deine Bilder sind richtig gut geworden. Mehr davon!

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