O phella hantle

Ich fühle mich ein wenig wie kurz nach Neujahr – gerade erst versprochen, wieder regelmäßiger zu berichten und schon zwei Wochen ohne Eintrag, so ist es halt mit gute Vorsätzen. Es ist ja auch um einiges angenehmer, sich einfach in die Sonne zu legen und nichts zu tun also auf so einen blöden Bildschirm zu schauen und über einem  neuen Text zu brüten. Denn auch wenn es hier eigentlich tiefster Winter ist – auf Europa umgerechnet wäre es gerade der28. Dezember, wo sind eigentlich meine Weihnachtsgeschenke – haben wir am Tag noch schöne 20°. In der Nacht wird es dann schon mal etwas kühler, dass es hier nicht schneit ist eigentlich nur dem trockenen Klima geschuldet: in den letzten drei Monaten hat es hier genau einen Nachmittag geregnet.

Doch nur in der Sonne liegen geht ja leider auch nicht, gelegentlich müssen wir ja auch arbeiten. Von 10:00 bis 17:00 finden Sascha und ich uns im St. Elizabeth Children’s Programme wieder, kurz gesagt ein Hort für die Kinder aus der Location. Laut Datenbank sollen angeblich über 800 Kinder Teil unseres Programms sein, regelmäßige Teilnehmer sind aber nur um die 200. Für insgesamt sieben Betreuer, uns beide eingerechnet, aber doch ein ganz ordentlicher Brocken. Hauptelement des Programms ist die alltägliche Raubtierfütterung, bei der die Kinder etwas zu Essen erhalten. Dies ist zwar jeden Tag Pap mit einer komischen braunen Soße, aber für Viele ist es die einzige (warme) Mahlzeit am Tag. Daneben verteilen wir Medizin an HIV-Infizierte, kümmern uns um Schulprobleme oder verteilen Klamotten für den „Winter“.

Schauplatz dieses Specktakels ist ein ungefähr zwei Fußballfelder großes Gelände, das wir uns mit einem Kindergarten teilen. Letzterer wird neben der südafrikanischen Bischofskonferenz auch vom Staat mitgefördert, und leider sieht man den Unterschied zu unserem Bereich sehr deutlich. Haben die Kinder dort Schaukeln, Wippen oder Sandkästen in allen Farben des Regenbogens zur Verfügung, besitzen wir außer einer großen Wiese genau gar nichts zum Austoben. Vor meiner Ankunft hat dann eine ehemalige Freiwillige es geschafft, Spendengelder aus Deutschland aufzutreiben und davon ein Klettergerüst mit Rutsche und Schaukel zu bauen, was sich auch großer Beliebtheit erfreut. Vor kurzem haben dann Sascha und ich für ca. 300 Rand ein Volleyballfeld aus dem Boden gestampft, um für etwas Abwechslung zu sorgen. Durch einen Wink des Schicksals haben wir (d.h. Sascha) Zugriff weitere Spendengelder erhalten, vor denen vorerst zwei Fußballtore sowie eine Auswahl an Bällen finanziert werden sollen, dazu noch ein Netball-Feld und Schulsachen.

Leider hat unser Projekt jedoch ein großes Problem: weder die Chef-Schwester Lioba noch die leitenden Angestellten scheinen sich besonders viel um das Projekt zu kümmern. So wurde das neue Volleyballnetz von Madame Schwester nur mit einem müden Schulterzucken kommentiert, irgendeine finanzielle Beteiligung blieb natürlich aus – kein Wunder, schließlich haben wir ja nicht mal genug Geld um zwei der Betreuer weiter zu bezahlen (welche übrigens keine 50€ im Monat erhalten). Wenig überraschend, wenn man all sein Guthaben für ein schickes neues Büro mit großem Fernseher ausgibt und dafür zwei alte Büros leer stehen lässt.

Während die anderen Betreuer (Rambo, Sibosisu, Satwa, Lele und Zele) mit den Kindern hauptsächlich ernstere Themen besprechen, sei es HIV-Aufklärung, Kinderrechte oder „spirituelle Führung“ (besser bekannt als Bibellesen), kümmern Sascha und ich uns vorwiegend darum, den Rest zu bespaßen. Da die Kinder so ziemlich jeden Altersbereich abdecken, kann man da auch recht viel anstellen, vor allem da wir von Seiten der Schwester komplett freie Hand haben. Mit den Kleineren haben wir zuletzt Topfschlagen oder Rübenziehen gespielt, mit den Größeren versuchen wir uns am Volleyballnetz. Leider sprechen die wenigsten Kinder Englisch sondern Sesotho, eine der anderen elf Landessprachen. Zwar können die anderen Betreuer komplexere Geschichten wie Spielregel übersetzten, die alltägliche Kommunikation wir, bis auf ein paar erlerne Phrasen, noch mit Händen und Füßen ausgetragen.

Beim Spielen ist uns recht schnell aufgefallen, dass die Kinder keinerlei Verständnis für Teamgeist oder Gemeinschaft haben. Jeder kämpft für sich selber und nimmt keine Rücksicht auf seine Kollegen. Unser erstes großes Ziel ist es also, den Kindern die Idee der Zusammenarbeit und Rücksichtnahme näher zu bringen (Im Übrigen etwas, bei der die Erwachsenen auch nicht immer glänzen). Da käme es gerade Recht, dass hier im Moment Ferien sind und die Kinder deshalb von 9:00 bis um 14:00 da sind, anstatt nur von 15:00 bis 17:00. Geplant waren ein paar Projekte zum Thema Fairness und Teamgeist, aber leider wurden wir von den Verantwortlichen nicht eingeweiht, dass sie Ausnahmsweise mal selber etwas geplant hatten. Also haben wir spontan geplant, für eine Woche nach Durban an den Stand zu fahren und Urlaub zu machen – nun ja, ich kann mir sicher schlimmeres Vorstellen.

Ansonsten ist das Leben hier auf dem Dorf nicht besonders spannend. Innerhalb von einer Woche kennen mich die Leute aus unserem Supermarkt schon beim Namen und meine Herkunft (zu Hause weiß ich nicht einmal den Namen unseres Nachbarn…) und sprechen allein deshalb schon Englisch statt Afrikaans zu mir. Letzteres ist zwar keine besonders schwere Sprache, aber leider wird das hauptsächlich von der weißen Bevölkerung gesprochen, mit der wir bisher so gut wie keinen Kontakt haben. Zwar gibt es hier im Kloster ein Altenheim mit Afrikaanern, aber bisher machen Diese einen etwas ähm… gruseligen Eindruck auf uns. Und zwei Sprachen zu gleich zu lernen ist auch etwas gewöhnungsbedürftig und führt zu einigen lustigen Versprechern (die bei den ganzen ungewohnten Lauten im Sesotho eh vorprogrammiert sind). Damit ihr Daheimgebliebenen auch etwas mitnehmen könnt, habe ich mal eine kleine Phrasenliste auf Sesotho angehängt. Am wichtigsten ist eindeutig Tsamaya, geh weg. Wenn ich wüsste wie würde ich auch die entsprechende Aussprache dahinter hängen, aber ihr könnt es ja auch mal so probieren. Wenn euch danach die Zunge weh tut habt ihr es genau richtig gemacht.

Deutsch - Sesotho

Sei nett – E bo Hantle (Be good)

Gib mir den Ball – Betsa bolo / aKgela bolo

Wir den Ball – mpetsetse bolo NKaKgelle

Geh essen – Tsa mo ja

Geh nach Hause – E ya hae

Geh weg – Tsamaya

Warte – Ema

Bitte – kea kopa

Sag Bitte – ere keya Leboha

Spielt im Team – Bapalong ka Sehlopha

Wasch deine Hände – hlatswa matsoho

Spiel mit deinen Freunden – Bapalo le metswalle

Nein – tjhe

Ja – Eyyyy

Später – morao

Morgen – hosane

Tschüss – Sala hantle / samaya hantle

Hallo  – Dumela

Wir sehen uns – Ketlaobona

Wie geht es dir – lekai / O phella jwang

Mir geht es gut – (r)eteng / O phella hantle

Bruder – Abuti

Du – Wena

Kinder – Wani

1 Comment

  1. Thomas
    Sunday, 30, June, 2013

    Wir würden unseren Sommer jederzeit gegen deinen Winter eintauschen. Wie sagte Mark Twain angebklch? “Der kälteste Winter, den ich je hatte, war ein Sommer in San Francisco”. Ungefähr so gehts uns gerade.

    Gruß
    Thomas

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