Winterurlaub

And the wheels of the bus go up and down, up and down. Mal wieder sitzen wir Stunde um Stunde im Bus. Diesmal geht es aber nicht in irgendein Dorf im Nirgendwo, nein wir fahren in eine echte STADT. Durban, „the warmest place to be“, lautet unser Ziel, denn der erste Urlaub des Jahres steht an. Und da wir ja gerade Winter haben und es entsprechend kalt im Freestate ist, ging es ganz spontan runter zum Indischen Ozean. Viel zu planen gab es nicht, schnell den Bus sowie ein Hostel für die ersten Tage gebucht fertig waren wir. Erst kurz vor der Abfahrt viel uns auf, dass man ja auch irgendwie zum Bus kommen müsste. Nach einigem hin und her erklärte sich der Pfarrer dazu bereit, und hin zu fahren. Das hat mich in der Tat ziemlich überrascht, zeigte er sich doch die letzten Tage wenig kooperativ. Aber so schafften Sascha und ich es zusammen mit Jule, einer anderen Freiwilligen aus Limpopo, es doch rechtzeitig nach Bethlehem zu kommen. Fünf Stunden später standen wir dann am Busbahnhof von Durban, gepackt als würden wir zu einer Weltreise aufbrechen. Mit dem Taxi ging es dann schnell in unser Hostel, das Happy Hippo. Den ersten Abend in Freiheit haben wir dann noch kurz mit einem Rundgang durchs nahegelegene Ushaka, eine Mischung aus Disneyworld und Tierpark, sowie der Standpromenade ausklingen lassen. Beides ist von unserer Bleibe keine fünf Minuten entfernt, was gibt es besseres. Im Backpacker fanden wir dann recht überraschend eine Geburtstagsfeier vor, ein schwarzes Mädchen wurde 21. Wir haben uns einfach dazu gesellt und wurden fast sofort von Thabo angesprochen – natürlich nicht weil wir Weiß sind, ist ja klar… War aber trotzdem ein lustiger Abend. Da die ersten Tage langsam anfangen, zu einer großen Masse zu verschmelzen kann ich für eine zeitliche Kontinuität nicht bürgen.

Den nächsten Morgen haben wir dann damit verbracht, einen Supermarkt zu finden, um etwas zu frühstücken. Nach fast 20 Minuten haben wir dann frustriert aufgegeben und haben dann doch an einem kleinen Kiosk gerade noch etwas Brot aufgetrieben. Der Rest des Tages lässt sich recht einfach beschreiben: Sommer, Stand und Sonnenschein. Unterbrochen wurde das Ganze nur von gelegentlichen Gängen ins angenehm warme Wasser des Indischen Ozeans, also genau so wie wir es uns vorgestellt haben. Die nächsten Tage war das Wetter dagegen nicht mehr so sommerhaft, hauptsächlich Wolken und gelegentlich sogar Regen (REGEN, wie lange ich darauf gewartet, drei Monate Sonne pur können auf nerven). Während Sascha und Jule daraufhin die Stadt erkundeten, entschied ich mich recht spontan zu einem Tauchkurs, dem PADI Open Water Diver. Verglichen mit Deutschland war dieser hier recht günstig  und die Tauchschule lag direkt vor unserer Haustüre. Bereut habe ich es auf keinen Fall, Tauchen macht unglaublich viel Spaß, erst recht in dieser Region. Zwar waren die ersten beiden Tage recht unspektakulär, hauptsächlich Theorie und Übungen im Swimmingpool, an Tag drei und vier ging es dafür schon direkt ins Meer und zu den Korallenriffen vor Durban, unter anderem mit Rochen, Seeigeln und sogar Delphinen. Am Ende gab es nach einem unglaublich anspruchsvollen Test die Tauchlizenz und ab sofort darf ich weltweit bis zu 18m tief tauchen. Die dürfte hier noch ein paar Mal zum Einsatz kommen.

Da die Tauchkurse immer um kurz vor 9 Uhr morgens angefangen haben, musste ich auch etwas früher raus als die anderen beiden und habe deshalb die Chance genutzt und bin einmal zum Sonnenaufgang zum Stand gegangen. Mit dem Ergebnis bin ich durchaus zufrieden, sind ein paar nette Bilder rausgekommen. Ich war recht erstaunt wie belebt die Promenade bereits um kurz nach 6 war. Jogger liefen ihre Runden, Fischer holten ihre Fänge ans Land und drei Männer sammelten die herumliegenden Flaschen auf. Was in Deutschland als Zusatzeinkommen für Bedürftige gesehen wird, ist in Südafrika mangels Flaschenpfand recht unüblich. Jedoch stellte sich heraus, das die Drei das Ganze freiwillige vor ihrer Arbeit machen, um „ihren“ Strand sauber zu halten. Eine ziemlich respektable Leistung, vor allem wenn man die Größe des Strands bedenkt. Generell muss man sagen ist der Strand von Durban einfach ein Traum: riesig, er zieht sich fast die ganze Stadt lang, erstaunlich leer, keinerlei Steine und angenehme Wellen. Und natürlich ein wunderbar warmes Wasser (bis zu 23° während unserem Aufenthalt). Etwas verwirrend war dagegen die Aufteilung der Strandabschnitte in Schwimmer- Surfer- Ruderer- und was weiß ich noch für Gebiete. Effektiv heißt das, dass ewig lange Strecken leer bleiben, da hier nur Surfen erlaubt ist, und sich alle Schwimmer auf einem 10 Meter langen Streifen tummeln. Und wehe man wird mal von einer Welle über diese Grenze mitgenommen: sofort rennen drei Rettungsschwimmer auf einen zu, wirbeln hysterisch mit dem Armen und blasen in ihre Trillerpfeifen.

Wenn man eine Woche in einem Hostel wohnt, fängt man langsam an, die Leute dort kennen zu lernen. Teilweise tummeln sich da recht kuriose Gestalten, sei es ein dauer-bekiffter Däne, ein recht verplanter Franzose oder drei straff durchorganisierte Belgierinnen. Mit dem Franzosen, Frederik, ging es dann an einem Tag ins Valley of a Thousand Hills, das Umland von Durban. Dies gilt zwar als eine der großen Attraktionen außerhalb von Durban, aber irgendwie fehlte so eine gewisse Organisation, wie man sie aus Nationalparks gewöhnt ist. Am Ende lief es darauf hinaus, dass wir fast zwei Stunden durch die Pampa gefahren sind, uns hoffnungslos verirrt hatten und beinahe von einem Rennwagen erwischt wurden. Irgendwie sind wir dann doch noch an einer Art Touristen-Info vorbeigekommen, wo uns aber auch nicht besonders viel weiter geholfen wurde, aber eine Safaritour wurde uns ans Herz gelegt. Die stellte sich dann auch als recht lustig heraus, wobei das Rumheizen durch den Busch fast mehr Spaß gemacht hat als das Wildtiere beobachten. Trotzdem war es natürlich beeindruckend, wenn eine Giraffe zwei Meter neben deinem Geländewagen vorbei spaziert.

Am nächsten Tag haben wir uns dazu entschlossen, uns dem Konsumwahn hinzugeben und eine Shopping Mall aufzusuchen. Oder besser: zu suchen, gefunden haben wir nämlich nichts. Fast den gesamten Tag haben wir dafür verschwendet, durch die Gassen Durbans zu streunen um eines der eigentlich zahlreichen Einkaufszentren zu sehen. Spätestens als es dann angefangen hat zu regnen war die Stimmung dann total im Eimer und wir haben uns betrübt auf den Weg zurück gemacht. Einziges kleines Highlight an dem Tag war der Victoria Market, ein gigantischer Straßenmarkt, der zum Glück noch nicht ganz zur Touristenfalle geworden ist. Wir haben uns hauptsächlich im indischen Teil rumgetrieben, dort hat es einfach am besten gerochen.

Nachdem er letzte Tag weniger glücklich verlaufen ist, haben wir uns am Samstag dann dazu entschlossen, uns ein Taxi zur Gateway Mall zu leisten, dem größten Einkaufszentrum rund um Durban.  Blöderweise hatte ich es irgendwie verplant, mir genügend Geld auf meine Geldkarte zu überweisen, und so musste ich schon die Tage davor auf Pump leben – zum Einkaufen natürlich suboptimal. Zum Glück hat mir Sascha genügend Geld geliehen, damit ich mir wenigstens ein Paar Schuhe kaufen konnte, denn mein anderes Paar viel schon lange Auseinander. Und in Südafrika Schuhe in Größe 47 aufzutreiben kann eine ganz schöne Odyssee werden, selbst in besagter Mall gab es nur einen Laden mit ganzen drei unterschiedlichen Paaren.

Wenn man in einem so schönen Dörfchen wie Reitz lebt, ist die Abendunterhaltung meist recht einfach gestrickt: früh ins Bett, gelegentlich mal Grillen und ab und zu zum Nachbarn, einen Film schauen. Entsprechend stand auch das ein oder andere Mal Feiern gehen auf unserer Durban-Agenda. In einer Stadt mit mehr als drei Millionen Einwohnern sollte sich ja der ein oder andere Club finden lassen. Denkt man: Die Florida Road, in etwa das, was die Long Street in Kapstadt oder der Kiez in Hamburg sein soll, stellte sich als eine lange Straße mit ein paar Restaurants und Kneipen raus. Da konnte man auf der Dachterrasse unseres Hostels doch schönere Abende verbringen. Eine klasse Feierlocation könnte dabei die Rooftopbar des Roma-Restaurants sein, eine freistehende Bar im 27. Stockwerk hoch über Durban. Im Winter macht diese aber leider schon um 10 zu, und besonders stark besucht war sie dann auch nicht. Vielleicht muss ich hier noch mal im Sommer vorbei schauen.

Da das Wetter sich die letzten Tage eher weniger afrikahaft gestaltete, haben wir am Freitag uns dazu entschlossen, einfach eine Woche länger in Durban zu bleiben. Als wir dann bei unserer Cheffin, Schwester Lioba angerufen haben, hieß es, das Projekt wäre eh bis zum 15. Juli geschlossen – schön dass wir das auch mal erfahren. Aber so konnten wir immerhin zwei Wochen Urlaub machen, ohne unsere wenige Urlaubstage zu vergeuden. Aufgrund einiger Komplikationen mit Spinnen und Bettwanzen entschlossen wir uns aber, die nächsten Tage in Warner Beach südlich von Durban zu verbringen. Das dortige Blue Sky Mining Backpacker erinnerte mehr an eine Luxuslodge als an eine 10€-Unterkunft: Zwei Swimmingpools, ein riesiger Garten und Zimmer mit Meerblick. Letzteres war auch hier nur einen Steinwurf entfernt und der Strand fast noch besser als in Durban. Von einem kostenlosen Surfboardverleih animiert habe ich mich dann auch am Wellenreiten versucht, wenn auch mit eher geringem Erfolg. Anders als in Durban waren wie Wellen hier nämlich bis zu drei Meter hoch und dementsprechend Stark: nichts für Anfänger und auch zum Schwimmer nur bedingt geeignet. Also haben wir die Tage dort hauptsächlich mit Sonnenbaden und Lesen verbracht.

Am nächsten Dienstag musste Jule dann wieder zurück nach Limpopo, uns sollte unsere Reise eigentlich weiter die Küste runter nach Coffee Bay und Chintsa führen. Bis wir dann einmal auf die Karte geschaut haben. Coffee Bay liegt doch tatsächlich ganze 500km südlich von Durban, mit Bus und Minibustaxi würden wir fast zwei Tage dorthin brauchen. Also schnell alle Pläne über den Haufen geworfen, es geht nach Ballito Bay im Norden von Durban. Hier war vor wenigen Tagen noch einer der größten Surfwettbewerbe in der südlichen Hemisphäre, wir erwarteten also eine ausgelassene, entspannte Atmosphäre. Dann kam unser Hostel. Anscheinend muss jede Reise mindestens einen Tiefpunkt haben, letztes Jahr war es ein verregnetes Wochenende in Glasgow, diesmal traf uns das Ballito Bay Backpacker. Die Räumlichkeiten erinnerten mehr an eine Krankenhauskantine als an ein Hostel, kalte Fließen, keinerlei Sitzmöglichkeiten oder Gemeinschaftsräume, flackernde Neonröhren und dazu unzählige Kakerlaken in der Küche. Das wir beinahe die einzigen Gäste waren wirkte sich auch nicht gerade Positiv auf unsere Stimmung aus. Noch am selben Abend sind wir durch die halbe Stadt getigert, um in der zweiten Unterkunft im Ort, dem Monkey Bay um Zuflucht zu bitten. Direkt am nächsten Morgen haben wir dann auch unsere Sachen gepackt und sind umgezogen. Das Monkey Bay hatte schon um einiges mehr Charme, litt aber leider unter demselben Problem wie das Blue Sky Mining: Es war nichts los. Hat man im Happy Hippo eigentlich immer jemanden gefunden, mit dem man eine Runde Billiarde spielen oder über Reisepläne sprechen konnte, waren beide Hostels fast ausgestorben. Am zweiten Abend kam dann ein deutsches Pärchen vorbei, die gerade auf Jefferson Bay eingeflogen sind. Am nächsten Tag wollten die Beiden kurz in Durban vorbei schauen, um dann weiter Richtung Joburg zu fahren, und so hatten wir durch einen glücklichen Zufall einen Rücktransport nach Durban gefunden, wo wir dann die letzten Tage wieder in „unserem“ Happy Hippo verbringen würden.

Davor ging es aber noch zum Moses Mabhida Stadion, dem WM-Stadion von Durban. Sascha und Jule hatten hier schon mal eine Expresstour gemacht, während ich Tauchen ging, also haben wir uns diesmal die lange Tour für 90Rand gegönnt. Naja, es ist ein Fußballstadion, so mit einem grünen Viereck in der Mitte und ein paar Stühlen drum rum. Die Präsidentensuite war schon etwas interessanter, aber erstaunlich unbequem. Die Gondelfahrt über den 300m langen Bogen mit Rundblick über Durban haben wir uns dann aber gespart, schließlich hatten die beiden noch einen langen Weg vor sich. Im Hostel haben wir dann noch einen Österreicher und zwei Niederländerinnen getroffen (ob es jemals ein Hostel ohne deutschsprachige Kundschaft gibt), und haben es noch mal auf der Florida Road probiert, erneut mit nur mäßigem Erfolg.

Die letzten beiden Tage haben wir dann wieder vorwiegend am Strand verbracht, und diesmal konnte ich doch tatsächlich ein Surfbrett mit ins Wasser nehmen. Hat man einmal das Prinzip verstanden macht es durchaus viel Spaß, auch wenn es nicht gerade einfach ist. Mehr als ein, zwei Mal aufstehen habe ich noch nicht geschafft, aber es war sicher nicht der letzte Besuch an der Küste. Abends sind wir dann zwei mal ins Kino, einmal zu Man of Steel (Superman) und einmal in The Lone Ranger. Beide Filme waren nicht schlecht, letzterer hat mich persönlich aber mehr überzeugt. Für 4 bzw. 2€ für die Tickets kann man aber auch nicht meckern.

Sonntagmorgen ging es dann wieder zurück nach Bethlehem, wo wir dann auch um fünf Uhr abends angekommen sind. Allein. Denn der Schwester Lioba ist ganz plötzlich eingefallen, dass sie uns doch nicht wie vereinbart abholen kann. Auch der Pfarrer konnte uns nicht abholen, da er gerade auf der anderen Seite von Freestate eine Messe halten musste. Und so standen wir da: zwei Weiße mit vier Taschen Gepäck im Nirgendwo, es wurde langsam dunkel und wir hatten keine Ahnung wie wir jetzt nach Hause kommen sollten. Am Ende mussten wir dann ein Minibustaxi nehmen, und mit 10 unbekannten Richtung Heimat düsen. Kein besonders angenehmes Gefühl, da niemand wusste wo wir gerade waren. Trotzdem sind wir irgendwie sicher in Reitz angekommen, und nach 30 Minuten Fußmarsch standen wir ´doch tatsächlich schon vorm Kloster. Und noch während wir dort Standen, kamen hinter uns zwei Autos mit Schwestern die Auffahrt hoch. Wo sie denn gewesen seien. „Ja wir kommen gerade aus Bethlehem“. Aber uns kann man natürlich nicht abholen, ist klar… Am nächsten Morgen gab es dann noch sehr überraschende Neuigkeiten von AFS, aber dazu beim nächsten mal mehr.

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